Museen in Emden

Wer eine Reise nach Ostfriesland unternimmt, der wird sich kaum sattsehen können an der schönen Küstenlandschaft. Beliebt sind deshalb vor allem Fahrradausflüge an den Kanälen entlang und durch die kleinen Ortschaften. Wenn das Wetter einmal nicht so gut sein sollte – und das kann in dieser Region leider häufig passieren – bietet sich ein Besuch der Museen in der Seehafenstadt Emden an.

Bunkermuseum Emden

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Emden fast völlig zerstört. Knapp 50 Jahre später eröffnete die Stadt Emden das Bunkermuseum. Binnen 30 Tagen kamen mehr als 4000 Schaulustige, um die damals noch sehr kleine Ausstellung zu bewundern. Der Bunker aus dem Krieg diente als Luftschutzbunker. Diese Ausstellung war die erste in einem Luftschutzbunker, nachdem der Krieg zuende war. Aus der anfänglichen Kurzzeitaustellung wurde dann aufgrund des Erfolgs eine dauerhafte.

Viele Menschen aus Emden und Umgebung stellten Leihgaben und Dokumente sowie Gegenstände aus der Zeit des Krieges bereit. Briefe von gefallenen Soldaten, Fotos, Urkunden und andere Dinge wie Geschirr machen die Ausstellung glaubwürdig. Dank der großen Breitschaft der Bürger wurde das Bunkermuseum zu einer einmaligen Stätte des Gedenkens.

Das Museum ist einer der 31 noch heute stehenden Luftschutzbunker. Alle gehören zu den höchsten Gebäuden der Stadt. Der Museumsbunker ist gekennzeichnet durch eine äußere Veränderung. In 8 Meter Höhe trägt er einen immer wiederkehrenden Schriftzug: INNEN WELTEN AUSSEN WELTEN. Ein Künstler hat Fenster gestaltet, die ineinander verschränkt und zerstört sind. Sie sollen zeigen, dass es keine Durchsicht zwischen Außenwelt und Leben im Bunker gab. Die grauen Fassaden lassen die Älteren in Erinnerungen schwelgen, die oft nicht nur Schlechtes mit den Bunkern verbinden. Sie empfinden auch Dankbarkeit nach. Im Gegensatz zu den Älteren sind die Bunker für die Jüngeren nur graue Fassaden. Das Museum soll ein Platz für diesen Austausch (der beiden starken Gegensätze) sein.

Ein Fotoarchiv im Bunkermuseum zeigt die schrittweise Zerstörung der Stadt. Die Ausstellung beginnt am 13.07.1940, der Tag des ersten Luftangriffes. Auf einem weiteren Foto der Nacht erkennt man ein ruhiges Himmelsbild, das aber auf einem nächsten Foto von einer Flotte Flugzeuge gestört wird. Weitere Bilder zeigen die starke Zerstörung der Stadt sowie lichterloh brennende Häuser. Bis zu einem Angriff am 22.12.1940 ist alles so dokumentiert. Schrifttafeln erklären die Geschehnisse.

Jeder Besucher kann Erlebnisberichte oder Feldpostbriefe nachlesen und die Gefühle und Emotionen der Menschen beziehungsweise Soldaten nachempfinden.

Maritimes Museum „Freunde der Seefahrt“

Das Maritime Museum – Freunde der Seefahrt in Emden befindet sich in einem Eckhaus an der Emsstraße, gegenüber dem Bunkermuseum. Wie der Name schon sagt, beherbergt das in typischer Bachsteinbauweise errichtete mehrstöckige Gebäude Museales aus dem maritimen Bereich. Der jahrhundertealten Beziehung zwischen Mensch und Meer wird hier besondere Aufmerksamkeit gezollt. Es handelt sich um ein recht intimes, liebevoll gepflegtes kleines Museum, das auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten nach Voranmeldung die Pforten für Interessierte öffnet.

Den Besucher erwartet eine bunte Vielfalt. Schiffsmodelle, Marinen, unzählige Erinnerungsstücke und seemännisches Ambiente, maritimes Flair, Fotos, Fotos und nochmals Fotos. Und alle erzählen eine eigene Geschichte. Weltuhren, Vitrinen mit Orden und Auszeichnungen, farbenfrohe Wimpel, exotisch anmutendende Souvenirs aus fernen Ländern – es gibt Allerhand zu entdecken in diesem musealen Kleinod. Man kann die liebevolle Passion direkt spüren, mit der diese Erinnerungs- und Ausstellungsstücke zusammengetragen wurden.

Besonders hervor zu heben ist allerdings die Bedeutung als Treffpunkt aller Seebären, wohl dem eigentlichen satzungsgemäßen Zweck des Vereins „Freunde der Seefahrt e.V.“. Hier wird Tradition und Gemeinschaft gepflegt und durch immer wieder neue Aktivitäten und Events ständig weiter entwickelt. Ein sehr schönes Beispiel hierfür sind die gemütlichen Teerunden oder die Einladung zu „Seeleute erzählen Stories“ , denn wie jedermann weiß sind die Stories der Seeleute ja schon seit Jahrhunderten ganz besondere Geschichten, nicht umsonst spricht man vom „Seemannsgarn“. Und so mancher, der zur See fuhr, vielleicht sogar seinen Äquatortaufschein hat, und viele exotische Länder aus eigener Anschauung kennt, hat bestimmt allerlei Interessantes zu berichten. Wenn dann auch noch ein bisschen „Klönsnack“ dazu kommt, kann man sich bestimmt nur schwer wieder aus der gemütlichen und unterhaltsamen Runde los reißen.

Vor allem auch dem Zusammenhalt unter alten Kameraden dient dieser Treff- und Anlaufpunkt. Denn Seeleute sind mehr als Kollegen. Das liegt einfach in der Natur der engen, oftmals jahrelangen Zusammenarbeit in der Crew, wo jeder auf den Kameraden angewiesen und jeder einzelne für die Mannschaft wichtig ist. Daher trifft gerade auf Seeleute aller Welt das zu, was man gemeinhin unter Kameradschaft und Kameradschaftsgeist versteht. Und es mehr als nur schön und wichtig, dass es in Emden das kleine Maritime Museum – Freunde der Seefahrt gibt.

Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Das Ostfriesische Landesmuseum Emden zeigt als so genanntes Regionalmuseum bedeutsame Gegenstände aus der Geschichte der Stadt Emden, der Region Ostfriesland und der zugehörigen Küstenregion.

Die Dauerausstellung präsentiert kulturelle und geographische Exponate aus verschiedenen Jahrhunderten, die einen Bezug zur Region darstellen. Die Ausstellung ist in verschiedene Themenkomplexe aufgeteilt:
• Frühes Leben an der Küste: Geschichte der Besiedlung Ostfrieslands, Jungsteinzeit bis Mittelalter
• Gemäldegalerie mit niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts
• Malerei in Ostfriesland
• Emden – Europäische Hafenstadt
• Küste und Kartografie: Historische Karten und Stadtansichten
• Skulpturensammlung
• Silberabteilung: Silber- und Goldschmiedekunst
• Münzkabinett
• Emder Rüstkammer: Ritterrüstungen aus dem Mittelalter und Hieb- und Stichwaffen aus der frühen Neuzeit
• Von Taufe und Tod, Recht und Freiheit
• Turm
• Kalendarium
• Filmkabinett
• Aus dem Fundus

Besonders erwähnenswert ist die Moorleiche im Bereich Frühes Leben an der Küste und die Sammlung der Ritterrüstungen, so genannte Harnische. Zusätzlich werden in wechselnden Sonderausstellungen unterschiedliche Themen aufgegriffen. Das zusätzliche thematische Kunst- und Kulturangebot wird in den historischen Räumen der Pelzerhäuser 11/12 ausgestellt. Die in der Altstadt an der mittelalterlichen Pelzhändlerstrasse gelegenen Renaissance-Bürgerhäuser wurden 1570 und 1585 erbaut und sind die einzig erhaltenen Gebäude aus dieser Zeit. Im Pelzerhaus 11 sind im Eingangsraum sogar Trauungen möglich.

Ursprünglich wurde 1820 die „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden“ gegründet. Ziel der sechs Gründer war es, wichtige Kunstschätze, die sich in privatem Besitz befanden, auszustellen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit zu erhalten. Seit 1833 gibt es hierfür ein eigenes Gebäude, es handelt sich somit um das älteste Museum Ostfrieslands. 1962 wurde dieser Bestand mit den Exponaten der Stadt Emden zusammen geführt und im Rathaus präsentiert. Nach der Umgestaltung des Museumsgebäudes wurde am 06. September 2005 die Wiedereröffnung gefeiert. Die dort umgesetzten aktuellen museumspädagogischen Erkenntnisse sprechen Besucher der Region aller Altersklassen an.

Das Landesmuseum Emden bietet viele Erlebnisprogramme wie Ferienaktionen, Geburtstags- oder Mitmach-Aktionen für Kinder, Workshops für Jugendliche und Führungen (alternativ auf Platt) für Erwachsene oder Familienangebote an. Themenkataloge und Unterrichtsmaterialien unterstützen Lehrer/innen bei Schulklassenführungen. Eine Teestube und ein Kunstladen (mit Online-Bestellung) runden den Besuch ab.

Pelzerhäuser

Bei den Pelzerhäusern in Emden handelt es sich um zwei der ältesten Gebäude der Stadt. Heute ist in den ehemaligen Kaufmannshäusern ein Teil des Ostfriesischen Landesmuseums untergebracht.

Die Pelzerhäuser, die ihren Namen zum einen von ihrem Standort in der Pelzerstrasse herleiten, zum anderen aber durchaus auch zu Beginn der frühen Neuzeit tatsächlich von Gerbern, Färbern oder Pelzhändlern bewohnt worden sein könnten, worauf während der Renovierungsarbeiten im letzten Jahrhundert gemachte Funde hinweisen, sind wunderbare, mehrstöckige Bauwerke in der Altstadt von Emden. Die historische Bausubstanz wurde während des zweiten Weltkrieges weitestgehend zerstört, umso wichtiger und erhaltenswerter sind die verbliebenen Gebäude. Gerade die beiden Häuser Pelzerstrasse 11 und 12 bieten hier lebendige Einblicke in historisches Ambiente. Die bemerkenswerten Backsteinfassaden, die in eigenwilliger Dachform auslaufen, wurden ebenso fachgerecht wie liebevoll renoviert und restauriert, obwohl leider von den eigentlichen im 16. Jahrhundert in flämisch-niederländischen Stil erbauten Renaissance-Bürgerhäusern nur Teile erhalten geblieben sind.
Jedoch bestimmen noch heute die beeindruckenden Fassaden eindeutig das Bild und durch die Beherbergung einer Außenstelle des Ostfriesischen Landesmuseums erfahren die Gebäude nun eine adäquate Nutzung. Der interessierte Besucher kann das historische Ambiente genießen und gleichzeitig das vielfältige kulturelle Angebot wahrnehmen. Das macht die Pelzerhäuser so einzigartig unter Ihresgleichen.

Dem Besucher wird hier nicht ausschließlich Museales geboten, sondern eine breite Palette an Sehenswertem und Kulinarischem. Im charmanten Kulturcafé im Pelzerhaus kann man neben einem stärkenden Frühstück auch ein einfaches Mittagessen verzehren, außerdem gibt es vielseitige kulturelle Angebote und die besonders herzliche und angenehme Atmosphäre trägt zum Wohlbefinden des Gastes bei.

Nicht nur ständige Sammlungen sind hier zu besichtigen, sondern immer wieder wechselnde aktuelle Ausstellungen, die dem Besucher auf breiter Basis vielfältige Kultur näherbringen, da sie in qualitätsvollem Austausch und dem Miteinander der unterschiedlichsten Einrichtungen stattfinden. Selbstverständlich beziehen sich die Themen schwerpunktmäßig auf das Leben an der Küste, unter anderem auf den jahrhundertealten Kampf Mensch gegen Meer, was besonders bei den Ausstellungen rund um den Deichbau zum Tragen kommt, aber die Thematik ist durchaus vielschichtig.

Nur wenige Schritte von den Pelzerhäusern entfernt findet der Kulturinteressierte einige weitere lohnende Ziele, wie zum Beispiel das Ostfriesische Landesmuseum mit der Emder Rüstkammer und selbstverständlich auch Gelegenheit, im Kunstladen hochwertige Souvenirs zu erstehen.

Museums-Feuerschiff „Amrumbank / Deutsche Bucht“

Im Ratsdelft von Emden liegt ein ehemaliges Feuerschiff vor Anker, das heute als interessantes Museum, als Restaurant und sogar als Außenstelle des Emder Standesamts dient!

Das Schiff mit dem rotlackierten Rumpf und dem hohen Masten, auf dem früher das Leuchtfeuer brannte, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Im Jahr 1915 lief es in Papenburg vom Stapel. Es wurde auf den Namen „Amrumbank“ getauft, weil es an der Westküste Schleswig-Holsteins, vor Amrum, als Feuerschiff zum Einsatz kommen sollte. Das Schiff ist 52,50 m lang, 8,20 m breit und hat einen Tiefgang von 4,25 m. Es erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von neun Knoten. Das Feuerschiff, das eine Besatzung von zwölf Personen aufnehmen konnte, lag zwischen 1919 und 1969 vor Amrum vor Anker – mit Unterbrechungen: Im Jahr 1918 und zwischen 1939 und 1945 (also während des Ersten und Zweiten Weltkrieges) wurde es als Leuchtschiff für militärische Zwecke verwendet. Zwischen 1969 und 1983 diente es in der Deutschen Bucht als Feuerschiff. Für den neuen Standort wurde das Schiff umbenannt, und die Worte „Deutsche Bucht“ wurden auf den Rumpf aufgemalt. Dieser Name ziert das ehemalige Feuerschiff noch heute.

Nachdem das Schiff 1983 außer Betrieb genommen wurde, wurde es vom Verein „Arbeitskreis Museums-Feuerschiff e.V.“ aus Emden erworben. Der Verein brachte es an seinen heutigen Liegeplatz und baute es zum Schiffahrtsmuseum aus. An Bord können sich interessierte Besucher in verschiedenen Dauerausstellungen über Themen der Seefahrt informieren: Die Ausstellungen drehen sich um die Verständigung auf See (Seezeichen), um die Geschichte von Radio und Funk sowie um das Schiff selbst und seine Einsatzorte. Zwei Organisationen, die sich um Seeleute kümmern, sind ebenfalls Ausstellungen gewidmet, und zwar der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ und der „Ostfriesischen Seemannsmission“.

In der ehemaligen Messe (also dem Speiseraum der Besatzungsmitglieder) wurde ein Restaurant eingerichtet. Es ist täglich geöffnet und ist auch für Familienfeiern buchbar. Paare, die sich an einem romantischen und ungewöhnlichen Platz trauen lassen möchten, können das ehemalige Feuerschiff zu diesem Zweck nutzen! Das Standesamt von Emden bietet Trauungen im Kapitäns-Salon des Schiffes an.

Seenotrettungskreuzer Georg Breusing

Erprobt und erfahren im rauen, harten Alltag der Rettung aus Seenot war der Seenotrettungskreuzer “ Georg Breusing “ in der Zeit von 1963 bis Juli 1988 aktiv im Dienst der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Insgesamt wurden durch dieses Schiff, gelenkt und geleitet von den Besatzungen unter den Vordermännern Karl-Friedrich Brückner und zuvor Wilhelm Eilers, während der aktiven Dienstzeit 1.672 Menschen aus Seenot befreit.
Doch auch nach Beendigung des aktiven Dienstes erfüllt der Seenot-Rettungskreuzer „Georg Breusing“ eine ehrenvolle Aufgabe. Dieses Boot ist als Museumsschiff in Emden erhalten und einem privaten Förderverein übergeben, um über das Rettungswerk zu informieren.

Der Name des Seenotrettungskreuzers erinnert an den Oberzollinspektor Georg Breusing aus Emden, der schon vier Jahre vor Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger einen Vorläufer dieses gesamtdeutschen Rettungswerkes ins Leben rief.
Die Georg Breusing ist 26,60 Meter lang. Der 2.400 PS starke Motor mit drei Maschinen schaffte eine Geschwindigkeit von bis zu 19 Knoten.
Zwischenzeitlich ist das Boot von der leistungsstarken „Alfred Krupp“ auf Borkum ersetzt worden.
Seit dem 23. Dezember 1988 ist der Seenotrettungskreuzer “ Georg Breusing “ offiziell ein Museumsschiff, das über den harten Alltag der Rettungsleute, die ihren Dienst an Nord- und Ostsee versehen, informiert.

Der private Förderverein „Förderkreis Rettungskreuzer Georg Breusing e.V.“ wurde daraufhin in Emden, Ostfriesland, gegründet und erfüllt den Zweck, das Boot fahrtüchtig und in einem guten Zustand zu erhalten. Dieses technische Denkmal kann von Interessierten besichtigt werden. Alle Kosten dieser ehrgeizigen Aufgabe werden von dem Verein aufgebracht, der sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und freiwilligen Zuwendungen finanziert. Der Erhalt des Seenotrettungskreuzers wäre ohne den Einsatz der freiwilligen Helfer, die dafür sorgen, dass die Kosten niedrig gehalten werden können, kaum denkbar.

Emder Kunsthalle

Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber des „Stern“, Henri Nannen, brachte sein privates Vermögen und seine umfangreiche Sammlung deutscher Expressionisten in die Kunsthalle ein, die 1986 ihre Pforten öffnete. Später wurde die Sammlung durch die Schenkung des Münchner Galeristen und Kunstsammlers Otto van de Loo erweitert.
Die Architektur des Gebäudes fügt sich mit seinem roten Backstein perfekt in das Stadtbild ein. Die ständigen Erweiterungen der Sammlung machten zahlreiche Umbauten notwendig, die dem ursprünglichen Stil des Hauses nicht schadeten.
Henri Nannen hat die Kunsthalle bewusst in seiner Heimatstadt Emden und nicht in Hamburg gebaut; denn er meinte zu Recht, dass sie einer eher kleinen Stadt Ostfrieslands an Attraktivität gewinnen würde. Mit einer Malschule für Kinder werden junge Menschen museumspädagogisch an Kunst herangeführt.

Mit vielen Sonderausstellungen, wie der legendären Edvard Munch- Präsentation oder der „Neuen Sachlichkeit“, ist die Kunsthalle Emden zu einer Größe in der darstellenden deutschen( und europäischen) Kunst geworden. Besonders Bilder und Skupturen des Expressionismus lassen den Besucher ehrfürchtig werden:

Im weißen Ambiente der Innenräume stechen die Aquarelle von Emil Nolde besonders eindrucksvoll hervor. Die „Blauen Fohlen“ von Franz Marc, Werke von Paula Modersohn- Becker, Oskar Kokoschka oder Max Pechstein, Feininger, Beckmann, Grosz, Dix oder Kirchner gehören zu den Highlights der Sammlung. Daneben Skulpturen und Plastiken wie Lehmbruck oder Kolbe. Im Sinne des Gründers Henri Nannen wird der Kunstgenuss zu einem Erlebnis der Sinne, indem der Besucher immer wieder mit ungewöhnlichen Zusammenstellungen konfrontiert wird. Der kunstgeschichtliche Kontext wird häufig durchbrochen durch andere Sichtweisen und Denkanstöße, indem die gleichen Motive auf völlig unterschiedliche Art miteinander präsentiert werden. Ein Besuch der Kunsthalle wird auf diese Weise zu einem ganz persönlichen Erlebnis, zu einer ganz individuellen Auseinandersetzung zwischen Expressionismus und Gegenwartskunst. Kunstrichtungen wie die „Brücke“ oder die „Blauen Reiter“ sind ebenso vertreten wie junge und ältere „Wilde“, z. B. Penck, Hödicke und Janssen. Neben der umfangreichen deutschen Kollektion werden internationale Werke präsentiert, zu denen u. A. die Spanier Tapis und Saura gehören.

Johannes a Lasco Bibliothek

Die Johannes a Lasco Bibliothek im ostfriesischen Emden ist benannt nach Johannes a Lasco, einem zwischen 1540 und 1556 in Emden lebenden und wirkenden Reformator. Die auf geisteswissenschaftliche und theologische Werke spezialisierte Bibliothek führt insbesondere Werke zur Theologie und Geschichte des reformatorischen Protestantismus sowie konfessionsgeschichtliche Abhandlungen der frühen Neuzeit. Hinzu kommen Werke und Dokumente zur ostfriesischen Landesgeschichte.

Die Bibliothek hat ihren Ursprung in der Büchersammlung der reformierten, protestantischen Kirchengemeinde Emden zurück und ist heute die älteste, mit ihrem Bestand erhaltene Bibliothek in Ostfriesland.

1559 von Gerhard tom Camp gegründet, befand sich die Bibliothek ab dem Jahre 1570 in den Räumlichkeiten der Großen Kirche. Ihren Bestand erweiterte die Bibliothek nicht vorrangig durch den Kauf neuer Werke, sondern hauptsächlich durch Legate und auch Schenkungen von Juristen, Historikern, Medizinern und Theologen. Von herausragender Bedeutung für die Bestandserweiterung waren Nachlässe und Sammlungen von lokalen Größen wie beispielsweise des Bürgermeisters Petrus Medman, der 1538 verstarb. Die Theologen Albert Hardenberg und Friedrich Salmuth trugen mit ihren Sammlungen ebenfalls maßgeblich zur Erweiterung des Bestandes bei.

Nicht nur im 16. und 17. Jahrhundert erfolgten Eingliederungen von Werken und Nachlässen in den Bestand, auch im 20. und 21. Jahrhunderten kam es immer wieder zu Neueingliederungen. Zu diesen Neueingliederungen zählen unter anderem der Bestand des ehemals königlichen Konsistoriums Aurich und die besonders mit zahlreichen alten Drucken ausgestattete Bibliothek des Landeshistorikers Professor Ritter.

Eine besonders wertvolle Sammlung wurde erst im Jahre 1993 übernommen: die Sammlung des Johann Philipp Janssen. Der Kaufmann hatte annähernd 2000 Werke, darunter wertvolle Drucke und 20 Inkunabeln, zusammengetragen.

Die öffentlich zugängliche Bibliothek umfasst heute annähernd 100.000 Bände. In diesem Gesamtbestand sind im sogenannten Altbestand 6.592 Titel enthalten. Der Altbestand bezeichnet Werke und Bände, die bis zum Jahr 1850 erschienen sind. Für den Zeitraum zwischen 1851 und 1900 sind ungefähr 10.000 Titel vorhanden. Man schätzt, dass sich im Gesamtbestand etwa 3.400 Drucke aus dem 16. Jahrhundert, 3.200 aus dem 17. Jahrhundert und fast 2.000 aus dem 18. Jahrhundert befinden. Besonders erwähnenswert ist neben dem ohnehin schon wertvollen und beeindruckenden Altbestand, dass die Bibliothek auch über Dokumente und Schriften des Erasmus von Rotterdam verfügt.

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