Mit Gold durch die Inflation?

Eine Zahl hat die Deutschen aufgeschreckt: 3,1 Prozent. So hoch lag die Inflationsrate laut ersten Hochrechnungen im Durchschnitt des vergangenen Jahres. In den letzten Monaten hat sich die Inflation mit 4,5 Prozent im Oktober und 5,2 Prozent im November sogar noch einmal beschleunigt. Da sich den Deutschen die Hyperinflation der Weimarer Republik tief ins kollektive Bewusstsein eingebrannt hat, sehen nun viele Menschen hierzulande dringenden Handlungsbedarf. Zu bedrohlich wirken die Schilderungen der Urgroßeltern über Brötchenpreisen von Millionen oder gar Milliarden Reichsmark.

So weit ist es natürlich noch nicht und es spricht auch nichts für ein solches Horrorszenario in naher Zukunft. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass der Geldwert merklich sinkt. Hinzu kommt erstens, dass die zuletzt erfolgten Lohnerhöhungen diesen Effekt nicht annähernd ausgleichen können und zweitens, dass das auf den Bankkonten liegende Vermögen meist nicht verzinst wird und im ungünstigen Fall – nämlich bei hohen Werten – von zahlreichen Banken mittlerweile mit Negativzinsen abgestraft wird. Ob dies tatsächlich rechtmäßig ist, werden sicherlich Gerichtsverfahren in den kommenden Jahren klären.

Stagnation nach Aufwärtstrend

In dieser misslichen Situation setzen sich Sparer zunehmend mit der Frage auseinander, wie sie ihr hart erarbeitetes Vermögen sicher und trotzdem einigermaßen gewinnbringend anlegen können. Viele greifen reflexartig zum Gold.Wenn alles an Wert verliert und auch die wirtschaftlichen Aussichten nicht gerade rosig sind – so die Überlegung – muss doch wenigstens dieses seit Jahrtausenden begehrte Edelmetall den Menschen weiterhin etwas wert sein. Tatsächlich erlebte Gold in den letzten Jahren einen Aufwärtstrend, der 2021 aber nicht weiter anhielt. Der Preis für Unzen, Barren und Münzen stagnierte. Kein Wunder, denn professionelle Anleger setzten zuletzt darauf, dass die bedeutenden Zentralbanken den Zinssatz niedrig halten und somit Investitionen in andere Güter wie Immobilien lukrativ bleiben.

Hinzu kommt, dass die Zentralbänker die Märkte vor allem in Europa mit Geld fluten und so den Erwerb von Anleihen und Aktien befördern. Nicht wenige Experten betrachten diese Vorgehensweise skeptisch und fürchten eine Blasenentwicklung in mehreren Sektoren. Gold wird für die Profis mit ihren sehr hohen Anlagevermögen erst dann wieder interessant, wenn das Ende der Geldflut eingeläutet wird und sich zusätzlich die wirtschaftliche Lage merklich verschlechtert. Dann dürfte also auch der Goldpreis steigen.

Gold ja, aber in Maßen

Langfristig könnte dies möglicherweise auch ohne großes Zutun der Akteure geschehen, denn schließlich handelt es sich bei Gold um eine endliche Ressource. In einigen Jahrzehnten werden die bekannten Vorkommen zur Neige gehen und für eine natürliche Angebotsreduzierung sorgen. Da kaum davon auszugehen ist, dass auch die Nachfrage entsprechend sinken wird, muss der Goldpreis den wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten zufolge steigen. Es sei denn, das Recycling alter Bestände hält das Angebot hoch.

Dennoch sollte man sich davor hüten, alles auf Gold zu setzen. Zu schwankungsanfällig war diese „Krisenwährung“ über die Jahrzehnte hinweg. Eine langfristige Betrachtung zeigt auch auf, dass zum Beispiel der Aktienindex MSCI World eine erheblich bessere Wertentwicklung vorweisen kann als Gold. Für große Gewinnsprünge ist das glänzende Metall eben nicht gerade bekannt, auch wenn die Entwicklung in Krisenzeiten durchaus ansehnlich ist.

Auch dürfen die Kosten für die Lagerung an einem sicheren Ort nicht vernachlässigt werden. Wer sein Gold indes zuhause verwahrt, spart sich vielleicht diese Kosten – geht aber auch ein sehr hohes Verlustrisiko ein. Sinnvoller erscheint ein breit gestreutes Investment in Gold, Aktienfonds, Anleihen, Immobilien und – ja – Geld. Denn das dürfte auch künftig das einzig akzeptierte Zahlungsmittel beim Bäcker um die Ecke sein.

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