Johann Christian Reil – Anhänger der romantischen Medizin

Johann Christian Reil wurde am 20. Februar 1759 in Rhaude, Ostfriesland, geboren und verstarb am 22. November 1813 in Halle an der Saale. Er war ein deutscher Arzt und gilt als Unterstützer der romantischen Medizin, einer besonderen Richtung, welche in engem Zusammenhang mit der romantischen Naturphilosophie um 1800 steht. Neben den Gebieten der Anatomie, der Chirurgie, der Ophthalmologie und der Gynäkologie befasste sich Reil auch mit der Psychosomatik und zählt deshalb heute zu den Begründern der modernen Psychiatrie.

Johann Christian Reil studierte zunächst in Göttingen und später in Halle (Saale), wo er 1782 auch zum Doktor der Medizin und Chirurgie promovierte. In Berlin lernte er anschließend Markus Herz kennen, welcher ihn durch seine Verbindung der Philosophie Kants mit der Medizin sehr beeindruckte. Reil arbeitete schließlich in Norden als praktischer Arzt und erhielt 1787 eine außerordentliche Professur an der Universität Halle. Er konnte sich in den folgenden Jahren einen Namen als Arzt, Hirnanatom, Hochschullehrer und Philosoph machen und unterstützte stets das Badewesen. So setzte er sich für die Gründung einer Kur-Badeanstalt ein und war fortan einige Monate im Jahr als Badearzt tätig.

Reil gilt nach wie vor als einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit, da er unter anderem erste Untersuchungen an Gehirn und Nerven unternahm und damit zu bahnbrechenden Erkenntnissen gelangte. Er versuchte dabei stets, die physiologischen Gegebenheiten auf einer wissenschaftlichen Grundlage mit der praktischen Medizin zu vereinen. Er unterstützte die Thesen des Vitalismus, beispielsweise, dass jedes Organ eines Lebewesens bestimmte Eigenschaften besitzt, da es aus ihm eigenen Grundstoffen besteht. Ganz im Sinne der romantischen Weltanschauung wollte er den Menschen in das universelle System der Natur eingliedern.

Reil verfasste einige Schriften und Bücher, wobei eine fünfbändige Ausgabe über die Fiebertheorie als sein wichtigstes Werk angesehen wird. Als erster Mediziner schuf er den Ansatz, dass Fieber nur das Symptom einer anderen Krankheit ist, nicht aber ein eigenständiges Leiden. Er sah Fieber damit als Reaktion des Körpers auf eine verschiedene Organe betreffende Ursache. Des Weiteren widmete sich Johann Christian Reil in seinem anschließenden Schaffen der Psychiatrie und stellte Untersuchungen zu Nervenkrankheiten an. Dabei beschäftigte er sich mit der Pathologie und der Diagnose psychischer Störungen und war somit Wegbereiter für einige noch heute vorhandene Therapieansätze.

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