Gesellschaftsdebatte: Was ist Gerechtigkeit?

Demokratische Gesellschaften müssen stets darüber debattieren, was sie eigentlich unter Gerechtigkeit verstehen – nur so kann ein Konsens hergestellt und letztlich verhindert werden, dass der Zusammenhalt bröckelt. Die Diskussion verläuft klassischerweise entlang dreier Prinzipien, deren wesentliche Aspekte hier kurz umrissen werden.

Egalitätsprinzip

Verfechter dieses Prinzips gehen davon aus, dass alle Menschen – nicht zuletzt aufgrund ihrer Gleichwertigkeit vor Gott oder auch vor dem Gesetz – materiell gleich gestellt werden sollten. Am Ende soll es so keinerlei Unterschiede hinsichtlich der finanziellen Stellung und des gesellschaftlichen Ansehens geben. Da sich dieses Ideal der Gleichheit allerdings in modernen, marktwirtschaftlich geprägten Staaten kaum erreichen lässt, wird immer wieder eine weniger strikte Umsetzung des Prinzips ins Spiel gebracht: Während alles, was dem Menschen in der Gesellschaft zufällt, umverteilt werden soll, soll das selbst Erarbeitete dauerhaft in den eigenen Besitz übergehen. Dennoch steht dieses Prinzip zweifellos im Konflikt mit der individuellen Entfaltung.

Leistungsprinzip

Wer mehr leistet als andere, soll auch eine bessere Entlohnung erhalten – das ist der Kerngehalt der Leistungsgerechtigkeit. Wenn allerdings gleiche Arbeit erbracht wird, so muss diese auch gleich entlohnt werden. Während also klar ist, dass dieses Prinzip einen klaren Leistungsanreiz beinhaltet, bleibt die Definition von Leistung hingegen in der Diskussion schwammig. Meist orientiert sich Leistung am Output für den Markt und weniger an ehrenamtlichen oder gar innerfamiliären Tätigkeiten.

Bedarfsprinzip

Hier orientiert man sich an den Bedürfnissen der Individuen in der Gesellschaft. Da es ziemlich unmöglich ist, diese Bedürfnisse objektiv zu ermitteln, konzentrieren sich die Befürworter eher auf die Forderung nach Grundbedürfnissicherung für alle. Doch ergibt sich heraus wiederum eine Problematik: Richtet man sich beispielsweise nach dem Minimum oder definiert man vielmehr, was angemessen wäre? Die Festlegung eines Minimums ist derzeit zumindest in Deutschland gesellschaftlicher Konsens, die sozialen Sicherungssysteme sollen mindestens diese Untergrenze garantieren. Dies lässt sich auch aus der im Grundgesetz verankerten Menschenwürde ableiten.

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