Die Siele in Ostfriesland

Die Siele oder Sielorte sind seit Jahrhunderten prägend für die niedersächsische Nordseeküste und heute zugleich beliebte Reiseziele. Sie entstanden an den durch Tore verschließbaren Deichdurchlässen, die der Entwässerung des eingedeichten Landes durch breite Kanäle (Sieltiefs) dienten. Hier waren die Bedingungen für die Anlage kleinerer Fischer- und Handelshäfen günstig. Wir stellen die bedeutendsten Siele Ostfrieslands vor: Bensersiel, Carolinensiel, Dornumersiel, Greetsiel, Neßmersiel und Neuharlingersiel.

Bensersiel

Das beschaulich am Wattenmeer gelegene Bensersiel ist ein bekanntes Nordseeheilbad und gehört zu der Kleinstadt Esens. Der Ort liegt an der Nordküste Ostfrieslands und ist über die Grüne Küstenstraße gut mit dem PKW erreichbar. Bensersiel ist von vielen kleinen Dörfern und Siedlungen umgeben, auf die nahegelegenen ostfriesischen Inseln wie Borkum, Juist oder Norderney setzt man mit dem Schiff über.
Im Ortskern befinden sich mehrere Einzelhandelsgeschäfte und Gasthäuser, eine größere Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants findet sich in Esens.

120.000 Gäste suchen Ruhe

Bensersiel lebt fast ausschließlich vom Tourismus und ist mit über 120.000 Gästen und mehr als 900.000 Übernachtungen jährlich in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Übernachtungsmöglichkeiten bieten zahlreiche Hotels, Pensionen, Gasthöfe, Privatunterkünfte, Ferienwohnungen sowie ein Vier-Sterne-Campingplatz, der direkt an der Nordsee liegt.
Der Urlaubsort eignet sich weniger für Menschen, die ihren Urlaub nur dann genießen, wenn sie von einer Party zur nächsten torkeln oder bei denen das richtige Urlaubsfeeling nur bei Temperaturen jenseits der 35 Grad plus aufkommt.
Sofern der Erholungsbedürftige allerdings Gefallen an Geruhsamkeit und Kleinstadtcharme findet, kann Bensersiel durchaus die richtige Urlaubsdestination sein, denn es lockt mit einer unberührten Umgebung, die es bei Spaziergängen und Radtouren zu erkunden gilt.
Im Kurmittelhaus Bensersiel stehen ganzheitliche Behandlungsmethoden im Vordergrund. Neben Heilbädern werden Physiotherapie, Massagen, Fitnesstraining, Cranio-Sacral-Therapie und mehr angeboten und auch die Möglichkeit einer Mutter-Kind-Kur wird häufig in Anspruch genommen.

Ein Urlaubsort auch für die Kleinen

Kleine wie große Wasserratten kommen ebenfalls voll auf ihre Kosten, denn neben dem saisonal betriebenen Meerwasserfreibad gibt es auch das ganzjährig geöffnete überdachte Freizeit- und Erlebnisbad. Beide Bäder können mit Riesenrutschen aufwarten und verfügen über mehrere Wasserbecken mit unterschiedlichen Tiefen und Größen.
Kinder werden im Takka-Tukka-Land, einer großzügig bemessenen Indoor-Spiellandschaft ihre Freude haben, denn dort können sie nicht nur schaukeln oder rutschen, sondern auch Pirat spielen und sich auf Schatzsuche begeben.

Carolinensiel

Das Herz Carolinensiels bildet sein alter, als Museum aufbereiteter Museumshafen. Eingebettet in ein Panorama überwiegend denkmalgeschützter Häuser im traditionellen friesischen Baustil findet der Besucher hier eine große Anzahl alter Segelschiffe „vor Anker“.
Der Museumshafen erinnert an die große Geschichte Carolinensiels, dessen seinerzeit bedeutender Fischereihafen die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Markt- und Umschlagplatz für die Fischerei Norddeutschlands machte. Zahlreiche Ausstellungen, das deutsche Sielhafenmuseum und der Museumshafen erinnern an diese große Zeit. Heute dient das Areal zusätzlich auch für Volksfeste und sonstige interessante Events, die Besucher von nah und fern begeistern.

Im Zentrum ist einiges los

Das Zentrum Carolinensiels lädt auch zu ausgedehnten Shoppingtouren ein. Neben allen notwendigen Geschäften für den täglichen Bedarf – mehrere Bäcker, Banken und eine Sparkasse, eine Apotheke, Friseure und kleinere sowie größere Supermärkte – findet man auch etliche Boutiquen mit neuester Mode, Sportbekleidung oder auch traditioneller KLeidung. Selbstverständlich kann man auch durch Souvenirläden bummeln und sich Erinnerungsstücke an einen unvergesslichen Urlaub kaufen.
Die bekannte Harle-Promenade lädt mit ihren zahlreichen Bistros, Restaurants, Cafes und Bars zum Verweilen ein. Hier hat man eine atemberaubende Aussicht auf die Harle. Auch hier überwiegt im Stil die traditionelle Bauweise – zusätzlich kann man mit der Friedrichschleuse auch alte holländische Baukunst bewundern.

Schiffsvielfalt in den Häfen

Dahinter beginnt der Yachthafen, für den Carolinensiel heute überregional bekannt ist und der den heutigen Charakter als Reiseziel und Besuchermagnet ausmacht. Während der Saison im Sommer ankern hier zahlreiche unterschiedliche Boote, von kleinen Segelbooten über Motoryachten bis hin zu großen Hochseeyachten.
Der dritte wichtige Hafen Carolinensiels ist der Außenhafen. Neben den Krabben- und Fischkuttern – bei denen man mit etwas Glück eine Mitfahrt buchen kann – starten von hier aus mehrere Ausflugsschiffe in das Wattenmeer und auf die Nordsee. Besonders beliebt sind die Fahrten zur Besichtigung der bekannten Sandbänke, die von einer großen Zahl Seehunde besiedelt sind. Daneben starten vom Außenhafen auch die Fähren nach Wangerooge.

Urlaub für jeden Anspruch

Die Stadt Carolinensiel bietet Unterkünfte für die unterschiedlichsten Ansprüche. Man findet neben zahlreichen, teilweise sehr preisgünstigen Pensionen auch mehrere Campingplätze und Wohnmobilstellplätze sowie eine Anzahl Hotels verschiedener Preisklassen und Kategorien vor. So ist Carolinensiel das ideale Urlaubsziel für jung und alt, für Singles, Paare oder Familien.

Dornumersiel

Dornumersiel ist einer der ältesten Sielorte in Ostfriesland, dessen Hafen auch heute noch fester Ankerplatz von zahlreichen Fisch- und Krabbenkuttern ist. Darüber hinaus legen hier regelmäßig kleinere Ausflugsschiffe an. Der Hafen bietet jedoch auch ausreichenden Platz für Yachten und kleine Segelboote. Direkt bei Dornumersiel liegt auch der Mahlbusen. Beim Mahlbusen handelt es sich um einen kleinen Speichersee. Die verzweigten Wasserstraßen können mit einem Kanu erpaddelt werden.

Erholung am und im Wasser

In Dornumersiel kann man hervorragend spazieren gehen. Ein gemütlicher Spaziergang am Mahlbusen, oder aber auch ein Gang zum historischen Accumer Ee lohnen sich. Am Meer kann man je nach Jahreszeit nicht nur schwimmen und am Strand entspannen, sondern auch Drachen auf den weitläufigen Wiesen am Deich steigen lassen. Ein Salzwasserschwimmbad zählt zu den besonderen Attraktionen des Ortes. Ein Hallen- und Außenbereich bieten unterschiedliche, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Zwei 50m-Becken, Rutschen und ein Wellnessbereich sorgen für reichlich Erholung.

Angebote für Gaumen und Geist

Auch in kulinarischer Hinsicht ist man in Dornumersiel bestens versorgt. Zahlreiche Restaurants bieten eine typische, regionale Küche an. Krabben, Seezungen, Schollen und Aal finden sich auf fast jeder Speisekarte wieder. In den Cafes kann man in den Genuss von typisch ostfriesischem Tee kommen.
Sehenswert ist das barocke Wasserschloss, das mit seinem Schlosspark in Ostfriesland zu einen der schönsten zählt. Will man mehr über die ostfriesische Tradition erfahren, ist man im Casper-Cramer-Huus oder im Heimatmuseum Oma-Freese-Huus genau richtig. Einzigartig ist im Ort die Bock- oder Ständermühle. Die Mühlen-Rarität wurde im Jahr 1626 erbaut. Heute ist sie die einzige Mühle ihrer Sorte in Ostfriesland. Sehenswert ist auch das altertümliche Rathaus des Ortes, das im Jahr 1842 erbaut wurde.

Greetsiel

Im Westen Ostfrieslands, an der Leybucht gelegen, befindet sich Greetsiel; ein idyllischer Erholungsort mit ostfriesischem Flair. Das 1500-Einwohner-Dorf der Gemeinde Krummhörn zieht seine Besucher schnell durch malerische Gassen und historische Gebäude in den Bann.
Begrüßt wird man bei seiner Ankunft von den bekannten Zwillingsmühlen, beeindruckenden Windmühlen im holländischen Stil, von denen eine heute als Teestube genutzt wird. Die andere Mühle ist auch heute noch in Betrieb und bei einer Besichtigung kann man einen Blick auf die Futtermittelherstellung werfen. Im Ortskern fällt der Blick auf liebevoll restaurierte historische Giebelhäuser aus dem 17. Jahrhundert.

Postkartenidylle im Fischerhafen

In und um Greetsiel existiert sich eine Vielzahl an Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten. Im Westen liegt das Naturschutzgebiet Leyhörn, das zum EU-Vogelschutzgebiet Krummhörn gehört. Die einzigartige Naturlandschaft „Wattenmeer“ gehört zum UNESCO Weltnaturerbe und lässt sich sowohl bei geführten Wanderungen als auch auf eigene Faust erkunden.
Der über 600 Jahre alte Fischerhafen Greetsiels lädt mit seiner Postkartenidylle zum Verweilen ein. Über 20 Krabbenkutter fahren ein und aus, und wenn man zur rechten Zeit kommt kann man zusehen, wie die Ladung gelöscht wird.
Greetsiel ist direkt mit dem Meer verbunden, der Schifffahrtsweg führt über eine Schleuse zur Nordsee.
Einen Besuch wert ist die jährlich stattfindende Kunstausstellung „Greetsieler Woche“.

Sehenswertes ganz in der Nähe

Als Ausflugsziele bieten sich die Ostfriesischen Inseln oder auch die etwa 20 Kilometer entfernte Stadt Emden an. Nur drei Kilometer von Greetsiel entfernt findet man den Pilsumer Leuchtturm, ein rot-gelbes Wahrzeichen der Region und gern besuchtes Ausflugsziel nicht nur für Touristen. Mittlerweile werden im Leuchtturm sogar Trauungen durchgeführt.
Der Sielort Greetsiel strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus und lädt seine Besucher ein, das flache Land und die herbe, aber doch beruhigende Natur zu geniessen.

Neßmersiel

Der ruhige, kleine Badeort Neßmersiel liegt an der ostfriesischen Nordseeküste, geschützt durch Seedeich, alten Westerdeich und alten Osterdeich. Die südlich am Ort verlaufende Störtebekerstraße ist benannt nach einem ehemaligen Seeweg von Klaus Störtebeker, der einst in dieser Gegend mit seinem Schiff segelte. Heute gilt die Bezeichnung Störtebekerstraße für die Landstraße entlang der Küste.

Die Inseln fast greifbar

Die Landschaft rund um Neßmersiel ist geprägt vom Wattenmeer, den Salzwiesen und den Deichen. Wer hier Urlaub macht liebt es ruhig und beschaulich. Auf dem Deich bietet sich den Fußgängern ein erlebnisreiches Panorama, sowohl vom Binnenland aus als auch von der Seeseite aus mit den Inseln Langeoog, Norderney und Baltrum. Bei guter Sicht ist der Leuchtturm von Norderney gut zu sehen. Typisch für Neßmersiel und die Region sind die rot gedeckten, kleinen Friesenhäuser und stattliche Gulfhöfe, umgeben von Kornfeldern und Wiesen.

Urlaub am Strand und auf dem Rad

Der Küstenbadeort Neßmersiel bietet seinen Gästen einen großen Sandstrand von immerhin 25.000 m² mit Spielplatz, Strandkörben sowie einem separat angelegten Hundestrand. Am Strand ist eine Surfzone angelegt, speziell für Kite- und Wind-Surfer.
Bei einem Aufenthalt in Neßmersiel sollte man es nicht versäumen, an einer der erlebnisreichen geführten Wattwanderungen teilzunehmen. Der Hafen verfügt über eine Direktverbindung mit der Fähre nach Baltrum. Außerdem befindet sich dort auch ein Yachthafen.
Fahrradverleih, Restaurants, Teestübchen und diverse Bauernläden befinden sich im Ortskern. Überhaupt sollte man sich vor Ort ein Fahrrad ausleihen, um auch den Nahbereich von Neßmersiel erkunden zu können. Im Einzugsbereich liegen die Städte Norden, Emden, Aurich und Wittmund. Für Familien mit Kindern lohnt sich auf jeden Fall der Besuch des neu errichteten Freizeit- und Wellness-Centers „Sturmfrei“ mit guten und vielseitigen Angeboten mitten in Neßmersiel.

Neuharlingersiel

Das etwa 1200 Einwohner zählende ostfriesische Fischer-, Fremdenverkehrs- und Hafendorf Neuharlingersiel entstand nach der Abdeichung der Harlebucht nördlich von Wittmund Ende des 17. Jahrhunderts. Es löste das jetzt im Hinterland liegende Altharlingersiel (heute ein Ortsteil von Neuharlingersiel) in der Bedeutung als Hafenort ab. Entwickelte sich Neuharlingersiel zunächst als lokales Zentrum für Hochseefischerei und Frachtsegler, trat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem die Nordseekrabben-Fischerei („Granat“) in den Vordergrund. Heute laufen noch acht Krabbenkutter von Neuharlingersiel auf Granat-Fang aus. Ohne seinen Charakter als bodenständiges gewachsenes Ostfriesendorf zu verlieren, gelang es Neuharlingersiel seit den 1960er Jahren, sich zu einem modernen Urlaubsziel und Heilbad zu entwickeln. Dabei konnte man auf Erfahrungen mit bescheidenem Fremdenverkehrsaufkommen seit den 1860er Jahren aufbauen.

Baden drinnen und draußen

Das heute als Nordseeheilbad anerkannte Neuharlingersiel, das politisch Teil der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund ist, bietet dem Erholungssuchenden in salziger Seeluft das supermoderne Wellness-Zentrum „BadeWerk“, zu dem unter anderem ein Hallenbad mit Meerwasser gehört. Gleich daneben kann auf dem neben dem Hafen des kleinformatigen Ortes angelegten, 20 Hektar großen Sandbadestrand relaxt werden. Hier befinden sich auch eine Surfschule und eine Wasserspielanlage für Kinder.

Geschichte der Küste

Architektonisches Highlight des Ortes ist der in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute herrschaftliche Adelssitz Sielhof. Heute gehört der Sielhof der Gemeinde und beherbergt Kultur- und Kureinrichtungen sowie Gastronomie. An norddeutscher Küstengeschichte interessierte Gäste können sich im skurrilen Buddelschiffmuseum und in der sehr sehenswerten Dauerausstellung zur Geschichte der örtlichen Seenotrettungsstation der DGzRS („Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“) maritim einstimmen.
Alljährlicher Höhepunkt des Veranstaltungskalenders von Neuharlingersiel ist die sommerliche Krabbenkutterregatta.

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